Herr Grütter über den Wechsel von der Kanti Küsnacht nach Zuoz und seinen Bürobaum

Seit Ende des letzten Schuljahres arbeitet Christian Grütter nicht mehr an der Kanti Küsnacht als Rektor, sondern hat eine Stelle am Lyceum Alpinum Zuoz angenommen. Von Drogentests bis zu individuellen Aufnahmeprüfungen erzählt uns unser ehemalige Rektor, der 13 Jahre Teil unserer Schulleitung war, ganz offen von den grössten Unterschieden zwischen der Kantonsschule Küsnacht und dem Internat in Graubünden. Fama (2b) & Carlina (2a)


Haben sie sich schon an die romanische Sprache gewöhnt?

Ich kann es noch nicht viel besser als bei meiner Abschlussrede. Am Gymi ist Romanisch nur ein Freifach, in der Primarschule aber ist es die Hauptsprache. Dort ist Deutsch eine Fremdsprache, wie Französisch oder Englisch. Die Sek ist klein, auch bei uns auf dem Gelände. Dort werden die meisten Fächer auf Deutsch, ein paar aber auch auf Romanisch unterrichtet. Vier Gemeinden haben hier bei uns ihre Sek.


Hat Ihnen die Abschlusswanderung gefallen?

Der ganze Abschlusstag war super! Ich habe wirklich nichts davon gewusst. Ich war zwar ein bisschen skeptisch, weil man als Rektor immer einen durchgeplanten Tag hat und am Montag sah es in meiner Agenda erstaunlich leer aus. Dann habe ich dem Sekretariat gesagt, dass ich am Montag viel Zeit habe und sie merkten sofort, dass das ein Problem war, also hat eine Lehrerin noch schnell mit mir einen Termin abgemacht.


Gefällt es Ihnen an Ihrem neuen Arbeitsplatz?


Ja, es gefällt mir wirklich und ist extrem spannend. Wir leben hier als Familie im Internat. Wir haben eine Wohnung, was natürlich sehr nahe bei den SchülerInnen ist. Man lernt sie dann schon auch von einer anderen Seite her kennen, da man sie ja auch am Wochenende sieht. Die ganze internationale Abteilung der SchülerInnen, welche das IB machen, ist für mich neu und sehr abwechslungsreich.


Wie unterscheiden sich die SchülerInnen? Unterscheiden sie sich überhaupt von der Kanti?



Das habe ich mich natürlich auch gefragt: Wie sind die überhaupt? Meist haben die SchülerInnen schon Eltern, die wohl recht «gut betucht» sind, oder wohlhabend, denn es ist hier nicht besonders günstig. „Sind die dann anders?“, habe ich mich gefragt. Ich muss sagen, eigentlich nicht. Jetzt gerade hier im Internat hat es SchülerInnen, die wie in Küsnacht Schlitzohren sind, andere sehr anständig, gewisse auch weniger, einige mühsam, andere überhaupt nicht. Ich finde, man merkt es den SchülerInnen am Lyceum nicht an, dass sie grösstenteils von wohlhabenden Familien kommen. Ich gebe zu, dass ich es bei den Kleidern auch nicht wirklich merke, wenn da jemand mit einer Gucci Tasche kommt. Aber sie sind jetzt nicht irgendwie arrogant oder eingebildet. Sonst unterscheiden sie sich nicht gross, es ist hier einfach internationaler. Wir haben von jedem Kontinent SchülerInnen, von denen gewisse gar kein Deutsch können. Man merkt schon, dass man in gewissen Ländern (ich sage jetzt keine) mal etwas schneller lügt, wie ich schon feststellen musste. Bei einem Schüler musste ich das schon einige Male feststellen. Der erzählt immer Geschichten, von denen ich denke, dass sie nicht stimmen.


Gab es bereits Herausforderungen oder Schwierigkeiten?


Ja, das hat es schon gegeben. In den letzten zwei Tagen hatten wir gerade die IFES Evaluation (institutionelles Kompetenzzentrum für die externe Qualitätssicherung auf der Sekundarstufe II).

Was nicht so gut geklappt hat, weil die SchülerInnen und die LehrerInnen es zum Teil «verhängt» haben. Sie haben zwar auf einem Zettel unterschrieben, dass sie sich das vorgemerkt haben, sind dann aber trotzdem nicht gekommen. Es war dann ziemlich stressig für mich, all diese Leute zusammenzutrommeln. Was wir auch haben, sind Drogentests, das heisst die SchülerInnen werden zufällig auf Drogen untersucht. 
Es kann also sein, dass, wenn die 10 Uhr Pause anfängt, jemand dort steht und sagt: «So, Sie kommen jetzt mit in die Krankenabteilung.» Dann gibt es eine Urinprobe und es wird ein Drogentest gemacht. Wenn dieser positiv ist, fliegt man von der Schule. Es ist eine Null-Toleranz Drogenpolitik. Es kommt immer wieder vor, dass wir eine positive Probe haben. Jetzt hatten wir gerade so einen Fall.

Alkohol wird auch streng gehandhabt. Die SchülerInnen dürfen manchmal in den Ausgang und wenn sie genug alt sind, dürfen sie auch Alkohol trinken. Wenn sie zurückkommen, gibt es einen Alkoholtest. Wenn man über 0.5 Promille hat, gibt es - wie beim Autofahren auch - eine Strafmassnahme. Disziplinarisch gesehen ist es strenger als an der Kanti, was es nicht immer einfacher macht.


Gibt es eine Aufnahmeprüfung?


Ja, das ist eigentlich gleich wie in Zürich. Es gibt auch eine kantonale Aufnahmeprüfung, also alle im Kanton haben die gleiche. Aus der Sek müssen sie bei der Prüfung Englisch machen anstatt Französisch. Den Schwierigkeitsgrad kann man auch noch diskutieren. Meine Tochter musste die Prüfung zweimal machen, einmal in Zürich und einmal in Graubünden. Sie meinte, in Zürich sei es schwieriger gewesen.

Müssen Kinder aus dem Ausland auch die Aufnahmeprüfungen machen? 
In der Maturaabteilungmüssen sie ihr Deutschniveau nachweisen können. In der internationalen Abteilung ist nicht Deutsch die Voraussetzung, sondern Englisch. Die Gymiprüfung wird für jede/n SchülerIn einzeln geschrieben. Es melden sich dann irgendwelche Eltern, zum Beispiel aus Hongkong, deren Kinder die Prüfung schreiben wollen. Entweder kommt der/die SchülerIn hierher und schreibt die Prüfung, oder aber jemand von uns fliegt nach Hongkong und schreibt dort mit dem/der SchülerIn die Prüfung. Wenn er sie besteht, kann er hier anfangen. Wir haben ein Team, das in der ganzen Welt umher fliegt, um die SchülerInnen dann zu prüfen. Häufig läuft es so: Die Eltern kommen mit dem/der SchülerIn hierher und er bleibt zwei Wochen um zu schauen, ob er sich überhaupt wohlfühlt. In den 2 Wochen schreibt er auch die Aufnahmeprüfung. Dann entscheidet der/die SchülerIn, falls er besteht, ob er herkommen möchte oder nicht. Etwa die Häfte der SchülerInnen will dann auch hierbleiben, die andere Hälfte geht noch andere Internate anschauen.


Haben Sie Ihren Bürobaum nach Zuoz mitgenommen?

Ich musste ihn leider ziemlich schneiden, damit er überhaupt in den Transporter hinein passte und musste ihn umtopfen, aber jetzt kommt er gut! Er ist mein Liebling und der weiss das auch, deshalb wächst er so gut. Ich weiss, wie viel Wasser er braucht, und in den ersten paar Wochen brauchte er tatsächlich weniger Wasser. Mein Büro hier oben ist etwas kleiner als in Küsnacht, deshalb ist es jetzt ein bisschen eng hier mit dem Baum. Aber wir teilen uns den Platz.

Möchten Sie noch etwas an die Schülerschaft richten?

Ich habe den Abschlusstag sehr genossen und ich vermisse Küsnacht. Ich denke sehr gerne daran zurück. Hier oben müssen wir noch lernen, so eine coole Stimmung wie zum Beispiel am Semiball zu haben. Küsnachter, bleibt so wie ihr seid! Hier oben ist es auch toll, einfach anders.


Vielen Dank für dieses Interview!




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Schülerzeitung der Kantonsschule Küsnacht